„My Armenia“

Moderierter Konzertabend mit Werken von Komitas, Khachaturian und Baghdasarian.

Wir leben in einer besonderen Zeit: Einerseits rückt die Welt durch die Globalisierung immer näher zusammen, andererseits gibt es wachsende Bewegungen, die sich durch Entfremdung und starke Berufung auf die eigene Herkunft eine abgegrenzte Identität suchen sowie Ängste und Feindbilder schaffen.

Musik gelingt es immer wieder aufs Neue, das Gegenteil zu bewirken, die Besonderheiten der Menschen und Kulturen zu nutzen, um Brücken zu bauen, die eigene Geschichte zu erzählen, empathisch zu sein, Wehmut mitzuteilen, einander zuzuhören und Hoffnung zu schöpfen.

Armeniens Geschichte geht weit zurück, das Land befindet sich seit Jahrhunderten in einem grossen Spannungsfeld zwischen Ost und West. In diesem kleinen und ländlich geprägten Land, welches oft verfolgt und auf sich selbst zurückgeworfen wurde, haben viele Menschen ihrer Liebe zur Familie und Gemeinschaft, ihren Sorgen, ihrer Trauer, ihrem Glauben und ihrer Hoffnung in Form von Gesängen Ausdruck verliehen.

Als Folge des Genozids und der schwierigen Bedingungen haben sehr viele Armenier:innen das Land verlassen und leben auf der ganzen Welt. Besonders ist dabei der vereinte grosse Wille, Teil der neuen Umgebung zu werden, ohne dabei die Verbindung zu ihrem Ursprung zu verlieren. Vielen Menschen auf der Welt ist Armenien ein unbekanntes Terrain. Wenn sie etwas über das Land gehört haben, dann meist im Zusammenhang mit tragischen politischen Ereignissen. Die Kunst macht es jedoch möglich, die Kultur eines Landes auf einer übergeordneten Ebene in seiner Reichhaltigkeit und Sinnlichkeit fernab von politischen Aktualitäten kennenzulernen.

An einem Konzertabend wird die armenische Musik der vergangenen Jahrhunderte erlebbar gemacht. Im Zentrum des Abends stehen alte armenische Volkslieder, welche der Priester und Musikwissenschafter Komitas (1869-1935) notiert hat. Diese Lieder wurden in ihrer Reichhaltigkeit wundervoll für Geige und Klavier umgeschrieben. Ergänzt werden sie mit erzählerischer Musik von Eduard Baghdasarian (1922-1987) und Aram Khachaturian (1903-1978). Die Musik wird mit Kunst- und Architektur-Eindrücken sowie kleinen Erzählungen sinnlich erweitert Abgerundet wird der Abend mit einem Apéro mit verschiedenen armenischen Weinen aus alten Traubensorten.

Die berührende Kraft der armenischen Musik ist eine wunderbare Möglichkeit, das Verständnis zu fördern. Es ist selten gespielte Literatur, welche in Armenien einen grossen Bekanntheitsgrad geniesst und offensichtlich sehr universale Botschaften vermittelt. Musik, die tief berührt und als Brücke zum Entdecken einer uns fernen und dann eben doch erstaunlich nahen Kultur dienen soll.

PROGRAMM
  • Komitas  (1869-1935)
    • Der Aprikosenbaum
    • Der Kranich
    • Es ist Frühling für Klavier Solo
    • Sieben Volkstänze für Klavier Solo
  • Aram Khachaturian (1903-1978)
    • Song-Poem
    • Säbeltanz
    • Uzundara
  • Eduard Baghdasarian (1922-1987)
    • Rhapsodie
    • Nocturne
KONZERTE